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Wohlbekannte Metaphorik

Zu den Leserbriefen „Der Unmut unter den Bürgern ist riesengroß“ von Frau Gabriele Moll vom 23. März und „Selbstbetrug“ von Herrn Hubertus Zummach vom 22. März möchte ich mit den nachstehenden Gedanken Stellung nehmen:

Frau Moll sieht einen „riesengroßen Unmut unter Deutschlands Bürgern“. Ich nicht. Ich sehe hunderttausende Menschen im Land, darunter viele hundert Frauen und Männer im Landkreis Holzminden, die durch Hilfsbereitschaft, Engagement und Aufopferung seit Monaten den Flüchtlingen tatkräftig helfen – und, auch das darf einmal erwähnt werden, das Ansehen unseres Landes in der Welt erhöht haben. Natürlich gibt es Menschen, die Ressentiments und rechtes Gedankengut zu einem Konzept zusammenfügen.

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Und damit bin ich bei Herrn Zummach, der für die aktuellen Wahlerfolge der AfD drei Ursachen sieht: das angeblich wachsende „Verlangen nach nationaler Identität“, die „zunehmende Islamisierung“ des Landes durch muslimische Flüchtlinge und die Sozialdemokratisierung der CDU.

2016_3_22_TAH_LB-ZummachIn seinem Buch „Die große Flut“, das am 16. März im TAH vorgestellt wurde, setzt er das Ersuchen von Menschen, die aus Verzweiflung ihre Heimat verlassen haben, um Aufnahme in unserem Land mit einer schlimmen Naturkatastrophe gleich und insinuiert, die schlimmstenfalls tödlichen Folgen einer Sturmflut kann man nur dann abwenden, wenn die Kräftigsten zusammenstehen und Hand in Hand die Schwachen schützen.

2016_3_16_TAH_ZummachDa haben wir sie: die „Volksgemeinschaft“, oder, um mit den Worten von Herrn Zummach zu sprechen: die „nationale Identität“. Diese Metaphorik kommt uns bekannt vor. Sie wurde in den frühen 1930er Jahren zur Stigmatisierung der Bürger jüdischen Glaubens in sehr ähnlicher Form verwendet. Dass dies wenige Jahre später in einen Völkermord mündete, wissen wir alle. Hat Herr Zummach während seiner aktiven Zeit als Lehrer auch schon so argumentiert und damit auf Schüler Einfluss genommen? Vor knapp zehn Jahren hat er eine Monographie über Rainald von Dassel verfasst, den wohl berühmtesten Sohn unserer Region, der als Vertrauter Kaiser Friedrichs I. („Barbarossa“) Kanzler des Heiligen Römischen Reiches und Erzkanzler von (Reichs-)Italien war. Diesem Manne, wie überhaupt jedem mittelalterlichen Menschen, war jedwede Form von völkischem Nationalismus fremd. Doch ebendiese Zeit war es, in der die kräftigsten Wurzeln des deutschen Staatswesens sprossen. Darüber sollten auch jene nachdenken, die möglicherweise bestrebt sind, durch individuelle Pressearbeit im Vorfeld einen AfD-Antritt im Landkreis Holzminden bei der Kommunalwahl im September vorzubreiten.

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