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Die Freiheit des Andersdenkenden

Heute vor 95 Jahren, am 15. Januar 1919, wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin von Angehörigen des größten Freikorps, der sogenannten Garde-Kavallerie-Schützen-Division, ermordet. Unmittelbar verantwortlich dafür war deren Erster Generalstabsoffizier Waldemar Pabst, die politische Verantwortung für das heimtückische Verbrechen trugen zwei SPD-Politiker: Reichswehrminister Gustav Noske und Friedrich Ebert, der am 11 Februar zum Reichspräsidenten gewählt wurde. Zur Rolle von Noske und Ebert schreibt Pabst 50 Jahre später, im Jahr 1969, in einem Brief: „Daß ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen mußte, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, daß ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.“ Bis heute ist die SPD nicht frei von rechter und reaktionärer Gesinnung, wie sich zuletzt wieder in Hamburg zeigte, wo der mit absoluter Mehrheit regierende Bürgermeister Scholz unangemessene Repression und Gewalt gegen jene Proteste einsetzen lässt, die seit der „Rote-Flora“-Demonstration am 21. Dezember 2013 immer wieder aufkeimen.

Rosa Luxemburg erklärte am Vorabend ihrer Ermordung: „Die Führung hat versagt. Aber die Führung kann und muss von den Massen und aus den Massen heraus neu geschaffen werden. Die Massen sind das Entscheidende, sie sind der Fels, auf dem der Endsieg der Revolution errichtet wird. Die Massen waren auf der Höhe, sie haben diese ‚Niederlage‘ zu einem Glied jener historischen Niederlagen gestaltet, die der Stolz und die Kraft des internationalen Sozialismus sind. Und darum wird aus dieser ‚Niederlage‘ der künftige Sieg erblühen. – ‚Ordnung herrscht in Berlin!‘ Ihr stumpfen Schergen! Eure ‚Ordnung‘ ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon ‚rasselnd wieder in die Höhe richten‘ und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: ‚Ich war, ich bin, ich werde sein!‘“

Rosa Luxemburg war stets unabhängig, streitbar und unbequem. Niemandem biederte sie sich an. Sie hätte das diktatorische Regime in der DDR mit Leidenschaft bekämpft. Dort wurde ihr Gesamtwerk erst ab 1970, ihre Kritik an Lenin erst 1974 veröffentlicht. Ihre radikaldemokratischen und antimilitaristischen Texte wurden von der SED als „Irrtümer“ kommentiert.

Rosa Luxemburgs wohl berühmtestes Zitat ist heute die politische Richtschnur für demokratische Sozialisten:
„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit‘, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit‘ zum Privilegium wird.“

Ein Kommentar

  1. Freiheit: Negation der Wirklichkeit.
    W. Busch

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