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Andre-Mouton-Platz in Goslar-Oker eingeweiht

Autor: Dr. Friedhart Knolle, Spurensuche Harzregion e.V.
Fotos: Christian Burgart, 21.V.2015

Todesmarsch-Stele und Gedenktafeln

2012 hatte der Rat der Stadt Goslar den Beschluss zur ganzheitlichen Umgestaltung des Hundemarkts in Oker gefasst. Im Rahmen dieses Projekts wurde vom Rat ebenfalls beschlossen, auch die Stele und die Gedenktafeln, die am Bahnhof Oker an die „Große Harzüberquerung“, den Todesmarsch des „Letzten Transports“ aus dem KZ Mittelbau-Dora von Osterode am Harz nach Goslar-Oker erinnerten, an den neu gestalteten Hundemarkt zu verlegen.

Mit einstimmigem Ratsbeschluss vom 1. April 2014 wurde der neue Platz nach dem französischen Zwangsarbeiter (KZ Mittelbau-Dora) in „André-Mouton-Platz“ umbenannt. Nach der nun erfolgten Verlegung der Todesmarsch-Stele und Gedenksteine und dem damit in Gänze abgeschlossenen Umbau wurde der „André-Mouton-Platz“ im Rahmen eines gemeinsamen Gedenktermins am 21. Mai 2015 offiziell eingeweiht.

Die würdige Veranstaltung war gut besucht – abgerundet durch musikalischen Beiträge der Adolf-Grimme-Gesamtschule gab es Reden des Oberbürgermeisters der Stadt Goslar Dr. Oliver Junk sowie des Initiators der Mouton-Erinnerungsarbeit Dr. Reinhard Roßdeutscher. Jens Kloppenburg moderierte die u.a. von der Spurensuche Harzregion e.V. initiierte Veranstaltung.

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Wer war André Mouton?
Er wurde am 15. Mai 1924 in Savignac-Lédrier (Dordogne/Frankreich) als zweites Kind von Cathérine und Louis Mouton geboren. Sein Vater war Landwirt. André Mouton hatte einen Bruder (Albert), der als Résistance-Kämpfer ums Leben kam. Die Familie lebte bis zur Verhaftung Moutons in Corvnac sur Lisle. André Mouton wurde Bäcker und arbeitete bis zu seiner Deportation in diesem Beruf. Am 26. August 1943 wurde er wegen Waffenbesitzes nach einer Denunziation verhaftet. Der Transport nach Deutschland verlief über Limoges und Compiègne zunächst in das KZ Buchenwald. Im Januar 1944 wurde er in das KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen verlegt, um Tunnel, das Lager und später V-Waffen zu bauen. Am 8. April 1945nahm er zwangsweise an einem der so genannten ‚Todesmärsche’ zur KZ-Evakuierung teil. Dieser führte ihn von Nordhausen über Osterode und den ganzen Harz mit Zwischenstation Clausthal-Zellerfeld nach Oker. Hier begann noch eine lange Odyssee durch Norddeutschland, bevor er am 15. Mai 1945 befreit wurde und nach Frankreich zurückkehren konnte. Bis 1957 arbeitete er wieder in seinem alten Beruf. Von 1957 bis zu seiner Pensionierung 1981 lebte und arbeitete er in Paris bei der Firma Thompson. Seit 1981 wohnt er in Trélissac bei Périgueux (Dordogne), wo er auch seine Memoiren über die Zeit der Deportation verfasste. Sie brachten ihm nationale und internationale Anerkennung. Solange er konnte, ging André Mouton regelmäßig in Schulen, um über die Zeit des Nationalsozialismus und das Leben in einem Konzentrationslager zu berichten. Goslar, besonders dem Stadtteil Oker und der Realschule Oker ist er seit 1998 verbunden. Ihm zu Ehren und auf Initiative des Schulleiters Dr. Roßdeutscher wurde der Schule sein Name gegeben. Aufgrund der bevorstehenden Auflösung der Schule und Übernahme durch die Adolf-Grimme-Gesamtschule ging der Name nun auf den Platz mit der Stele des Wegzeichenprojekts über, siehe www.tm45.de

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Gedenkveranstaltung zu Todesmärschen am Iberg
(Bad Grund, Landkreis Osterode am Harz) am 14. April 2015

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