BI Altkreis: „KVN trägt zum Niedergang des ehemaligen Landkreises bei“

Die BI Altkreis Osterode e.V. erhielt gestern, nach zwei Presseberichten und mehreren, insgesamt fast 10.000-mal gelesenen Facebook-Posts, eine Mail des KVN-Vorsitzenden Mark Barjenbruch. Darin geht dieser ausführlich auf das abgelehnte Anliegen der BI ein, wenigstens ein schmales Zeitfenster mit dezentralem kinderärztlichem Bereitschaftsdienst vor Ort offenzuhalten. Herr Barjenbruch will seine Mail bereits am 21. Juni an den BI-Vorsitzenden Bernd Hausmann geschickt haben, allerdings mit irrtümlich falscher Mailadresse, sodass die elektronische Post die BI nicht erreichte. Wir wollen dies nicht kommentieren.


BI ALTKREIS OSTERODE
P R E S S E M I T T E I L U N G vom 30.06.2017

KVN-Vorsitzender gibt sich in Stellungnahme zum kinderärztlichen Bereitschaftsdienst kompromisslos

BI Altkreis: „KVN trägt zum Niedergang des ehemaligen Landkreises bei“

Die BI Altkreis Osterode e.V. erhielt gestern, nach zwei Presseberichten und mehreren, insgesamt fast 10.000-mal gelesenen Facebook-Posts, eine Mail des KVN-Vorsitzenden Mark Barjenbruch. Darin geht dieser ausführlich auf das abgelehnte Anliegen der BI ein, wenigstens ein schmales Zeitfenster mit dezentralem kinderärztlichem Bereitschaftsdienst vor Ort offenzuhalten. Herr Barjenbruch will seine Mail bereits am 21. Juni an den BI-Vorsitzenden Bernd Hausmann geschickt haben, allerdings mit irrtümlich falscher Mailadresse, sodass die elektronische Post die BI nicht erreichte. Wir wollen dies nicht kommentieren.

„Es ist bedauerlich, dass sich die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen auch in ihrer ausführlichen Stellungnahme nicht ernsthaft mit den Nöten ihrer Patienten befasst, sondern nahezu ausschließlich die Belange der Ärzte im Blick hat“, meint Bernd Hausmann: „Herr Barjenbruch scheint sich gedanklich zu keinem Zeitpunkt mit nichtmotorisierten alleinerziehenden Müttern mehrerer Kinder beschäftigt zu haben, denen es nahezu unmöglich ist, rasch zum Notdienst nach Göttingen zu kommen, wenn eines ihrer Kinder akut krank wird.“

Frank Kosching, zweiter Vorsitzender der BI, geht auf einen weiteren Punkt ein: „Wenn Herr Barjenbruch beklagt, dass eine aus seiner Sicht hohe Bereitschaftsdienstbelastung im Altkreis Osterode für junge Kinderärzte unattraktiv sei und dazu führen würde, dass sich hier immer weniger Ärzte ansiedeln, so spricht daraus allenfalls vermeintliches Verantwortungsbewusstsein für die strukturschwache Region. Tatsächlich ist eine unzureichende ärztliche Versorgung ein Negativ-Standortfaktor – und damit Entwicklungshemmnis – ersten Ranges. Es beschleunigt nicht nur die Abwanderung junger qualifizierter Menschen samt ihrer Familien, sondern kann auch dazu führen, dass Unternehmen und andere Organisationen ihre Ansiedlungsentscheidungen zugunsten von Standorten mit besserer medizinischer Versorgungsinfrastruktur revidieren. Insofern trägt die KVN mit ihrer Entscheidung zum Niedergang des ehemaligen Landkreises Osterode bei. Dazu passt leider auch die zynische Bemerkung, die Ärztevertreter könnten nichts für die unzureichende ÖPNV-Anbindung.“

Nachstehend dokumentieren wir wörtlich die Stellungnahme des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Mark Barjenbruch (Rechtschreibfehler wie im Original):


Sehr geehrter Herr Hausmann,

im Namen der Mitglieder der Vertreterversammlung der KVN möchte ich mich für Ihre engagierte Darstellung der Situation im Altkreis Osterode bedanken. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass Sie die Änderung des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes im Bereich der Bezirksstelle Göttingen und damit die Eingliederung des bisherigen kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes in Osterode nicht begrüßen. Wie aber sehen die Alternativen aus?
Angesichts der doch begrenzten Anzahl der Kinderärzte im Altkreis Osterode ist eine Dauerlösung für den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst allein bezogen auf den Altkreis Osterode oder auch nur ergänzend am Wochenende nicht zielführend. Denn insbesondere in der hausärztlichen Versorgung wird es zunehmend schwieriger bis teilweise unmöglich, Praxisnachfolger zu finden. Dies ist und wird umso schwieriger, wenn die Belastung im Bereitschaftsdienst hoch ist. Dies gilt für den allgemeinen Bereitschaftsdienst wie auch den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst. Ein Ziel der Neuordnung des Bereitschaftsdienstes war es daher, die Bereitschaftsdienstbelastung für die niedergelassenen Ärzte zu senken, damit es keinen weiteren Hemmschuh für die Niederlassung als Haus- oder Kinderarzt gibt. Bleibt die Belastung im Bereitschaftsdienst aber unverändert hoch, entscheiden sich junge Ärztinnen und Ärzte für eine Niederlassung oder Anstellung in Bereichen, in denen die Bereitschaftsdienstbelastung nicht so hoch ist. Dies würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass die normale kinderärztliche Versorgung wegbricht.
Dem wollen wir mit der Reform des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes vorbeugen und haben daher landesweit eine Neuorganisation vorgenommen. Bitte bedenken Sie dabei auch, dass es in Südniedersachsen bisher keinen flächendeckenden kinderärztlichen Bereitschaftsdienst gibt. Während in Göttingen/Roßdorf, im Landkreis Northeim/Stadt Seesen und im Altkreis Osterode kinderärztliche Bereitschaftsdienste existieren, gibt es im Bereich der allgemeinen Bereitschaftsdienstbereiche Holzminden, Hann. Münden und Duderstadt keinen eigenständigen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst. Mit der Reform des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes wird für den Gesamtbereich ein kinderärztlicher Bereitschaftsdienst geschaffen, der allerdings die von Ihnen kritisierten weiteren Anfahrzeiten mit sich bringt. Bitte bedenken Sie dabei aber auch, dass die Inanspruchnahme des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes glücklicherweise nicht tagtäglich notwendig ist und es bei einer Gesamtbetrachtung viel wichtiger ist, wenn durch die Reform des Bereitschaftsdienstes die Kinderärzte tagsüber in der Fläche bleiben und nur für die glücklicherweise doch seltenen Fälle der Inanspruchnahme des Bereitschaftsdienstes weitere Fahrten erforderlich sind.
Abschließend möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass alle Bürger des Altkreises Osterode unabhängig vom Alter auch den allgemeinen Bereitschaftsdienst im Altkreis Osterode aufsuchen können. Insofern besteht für Akutfälle durchaus ein Angebot vor Ort.
Was wir nicht können, ist durch die ärztliche Versorgung den insuffizienten öffentlichen Personennahverkehr zu ersetzen. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass das öffentliche Bus- und Bahnnetz weder ein hinreichend engmaschiges Netz noch eine kurze Taktung vorhält. Daher würde ich mich freuen, wenn Sie aus Ihrer Bürgerinitiative heraus genau diese Forderung gegenüber den Aufgabenträgern stärker in den Fordergrund stellen; denn dieses ist nicht nur ein Problem zum Aufsuchen von Arztpraxen oder des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, sondern auch in vielen weiteren Lebensbereichen.

Mit freundlichen Grüßen

Mark Barjenbruch
Vorsitzender des Vorstandes
Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen


BI Altkreis Osterode e.V.
Bernd Hausmann/Frank Kosching


 

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